Donnerstag, 17. Mai 2012

Newbegin und seine Perspektive zu christlicher Mission Part1


Ich packte letztens mal ein älteres Büchlein (TrinitarianDoctrine for Today´s Mission) aus, dass Lesslie Newbegin geschrieben hatte und war erstaunt, wie aktuell seine Analyse für Mission für die Gegenwart ist. Hier ein kleiner Ausschnitt:
Certainly the faith which appeals to the bible is committed in principle to give some sort of interpretation, not only of the inward and individual spiritual experience, but also of the social and corporate life as am of history and of the natural world. Nothing less then this is implied in the doctrine of God created all things in Christ and will sum up all things in him. The Christian world mission cannot command whole-hearted and continuing commitment unless through participating significantly in what God is doing for mankind as a whole. […]
Glaube muss, nach Newbegin, der sich auf die Bibel beruft, prinzipiell eine Art von Interpretation von nicht nur individuellen Leben und geistliche Erfahrungen machen, sondern auch vom sozialen und gemeinschaftlichen Leben in der historischen und der erschaffenen Welt. Nichts weniger als das bringt die Lehre von Gott, der alles in Christus erschaffen und für ihn erschaffen hat, hervor. Christliche Mission kann nicht verpflichtend ausgeübt werden, außer durch die Teilnahme daran, was Gott für die ganze Menschheit tut.
Wir müssen also Fragen, was Gott mit der gesamten Welt vor hat und die Welt von dieser Perspektive verstehen lernen. Gewöhnlich wollen wir nur unser individuelles Leben und Gottes Absicht darin verstehen, aber Newbegin ruft uns auf auch die sozialen und gemeinschaftlichen Aspekte unserer Welt zu sehen. Also nicht nur Gott und ich, sondern ich in Beziehung zu den anderen und wir gemeinsam vor Gott

Dienstag, 17. April 2012

Miroslav Volf - Geben und Vergeben


Nachdem ich im Sommer und Herbst letzten Jahres zwei besonders gute Bücher "Exlusion & Embrace" und "public faith" von Miroslav Volf gelesen hatte, ist Volf einer meiner Lieblingsautoren geworden, der nicht nur als großer theologischer Denker und Kommunikator heraussticht, sondern auch durch seine Fähigkeit hervortritt, den christlichen Glauben in einer gewaltbereiten und komplexer werdenden Welt, für die Öffentlichkeit sprach- und handlungsfähig zu machen.
Jetzt ist sein Buch über Vergebung im Brunnen Verlag als deutsche Übersetzung „Umsonst: Geben und Vergeben in einer gnadenlosen Kultur“ erschienen.

Dienstag, 3. April 2012

Jesus, die Römer und sein Friedensreich Part3

War aber die Friedensvorstellung Jesu nicht irreal. Ist die Bergpredigt nicht die reinste Utopie, die nichts mit der Praxis zu tun hat? Das ist doch gar nicht systemrelevant. Die Welt ist nun mal voller Gewalt und wer Friede will, braucht Macht und auch Gewalt, sonst wird er nichts erreichen.
Das ist wahr; das Friedensreich Jesu war und ist nicht systemkompatibel. Es ist klingt sogar utopisch. Es ist wirklich von einer anderen Welt. Wie soll Friede denn möglich werden? Wie kann ein Friedensreich aufgebaut werden, wenn das Böse doch unschlagbar unser Gesellschafts- und Lebenssystem durchdringt?
Deswegen holte Jesus unerwarteter Weise zu einer unschlagbaren Waffe aus. Er opferte sich selbst für das Böse und würde damit den Kern des Übels und Unfriedens beseitigen. Petrus hatte klare Vorstellungen wie das zu funktionieren hatte: Es sollte es Feuer vom Himmel geben und ein anderes Mal griff er willig zu Schwert. Aber Jesus ließ die Logik der Gewalt und des Bösen sich selbst ad absurdum führen, indem er sich als Friedensstifter genau dafür bestrafen ließ. Als Märtyrer überführte er das System von Gewalt für Frieden. Natürlich hatten die religiöse und politische Elite ihre Gründe dafür, denn Jesu Friedensreich wurde enorm gefährlich für sie. Ihr Machtstatus war gefährdet. Sie fühlten wie Maria es sagte, vom Thron gestürzt (Lk 1). Ihre letzte Rettung war, den Friedenstifter als Unruhestifter anzuklagen und damit loszuwerden. Alleine konnten sie es nicht; sie brauchten die Römer dafür. Unbeschreiblich paradox gebrauchte die religiöse Elite gerade die verhassten und unreinen Römer, um das Friedensreich Gottes, das ihren Status gefährdete, loszuwerden. Das größte Hindernis für das Friedensreich Gottes wurden sie damit selbst. Spätestens jetzt, so meinten Petrus und vielleicht auch Judas, musste ein Machtwort gesprochen werden, denn Friede ließ sich offensichtlich nicht ohne Gewalt aufbauen. Man würde nur sich selbst opfern und das Projekt würde scheitern. Jesus entschied sich auf Gewalt zu verzichten, denn es würde nur die Gewalttäter bestätigen, dass es nicht ohne geht. Er ging den Weg zum Kreuz, weil er Frieden wollte, für Israel und die Welt und weil er wusste, dass der Friede, der von Gott kommt, siegen würde. Als Friedenskönig musste er den Weg selbst vorzeigen und den Stachel gegen den Frieden selbst beseitigen. Mit der Auferstehung machte er es möglich, denn Gewalt und das Böse konnten ihn nicht aufhalten. Die Auferstehung war der Beweis dafür, dass die Gewalt besiegbar ist durch Liebe, Gewaltlosigkeit und Vergebung. Gleichzeitig machte die Auferstehung klar, dass Gott das Böse besiegt hat und wie angekündigt Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet werden können, denn Schwerter werden in Gottes neuer Welt nicht mehr gebraucht. Friede wird nicht nur möglich, sondern die Grundlage der neuen Welt Gottes in allen Beziehungen: Friede mit Gott, mit sich selbst, den Mitmenschen und der ganzen Schöpfung. Jesus wird zum Prototyp der neuen Schöpfung, die das korrumpierte System der alten Schöpfung für immer ad acta legt.
Israel war aufgerufen zur Umkehr, denn das Friedensreich Gottes war im Anbruch. Umkehr hieß, Jesus auf diesem Weg des Friedens zu folgen, für Israel und für die (römische) Welt.

Donnerstag, 22. März 2012

Jesus, die Römer und sein Friedensreich Part2

Für die Juden war es klar: Der Feind ist abgesteckt. Die Römer sind die Bösen und Unreinen. Wir dagegen sind die Guten und das Volk Gottes. Doch Jesus war da anderer Meinung: Das Böse, die Ungerechtigkeit war nicht nur unter den Römern zu finden, sondern auch unter den Juden. Wer Frieden will, muss seinen Hass und (National)stolz, mit einer göttlichen Nächstenliebe überwinden. Der muss bereit sein ein Diener für die anderen zu sein. Der muss bereit sein, die zweite Meile zu gehen. Jesu Friedensreich stellte alles auf den Kopf: Diejenigen, die im Status und in der Macht die ersten waren, sind für Jesus auf einmal die letzten. Und diejenigen, die in der Gesellschaft nichts bedeuteten, die Armen, die Unangepassten, Sünder und sogar Prostituierte wurden für Jesus die Ersten. Jesus gab ihnen ein völlig neues Friedenskonzept: Frieden kann niemals auf Gewalt & Zwang beruhen. Friede gibt sich für den anderen hin, auch wenn es der Feind ist. Friede übergeht nicht die Armen, Ausgestoßenen und Sündern, sondern bezieht sie alle mit ein. Der Friede Gottes ist niemals ein Friede ohne Gerechtigkeit und Barmherzigkeit für die Vernachlässigten.
Dieser Friede ist hochpolitisch und brisant, denn er höhlt die Gewalt und Macht der Großen mit Feindes- und Nächstenliebe aus und setzt, um mit Marias Worten zu sagen, die Großen vom Thron und erhöht die Armen und Hungernden (Lk 1). Jesus wollte Israel für ein wahres Friedensreich gewinnen, indem Israel selbst Friede auslebt in allen Beziehungen. Friede fängt immer bei dem Friedenstifter selbst an, der die Unfriedfertigkeit an sich selbst entdeckt und ausräumt. Das Böse lag nicht nur da draußen bei den Römern, sondern auch tief in dem Denken und Handeln der Juden selbst. Erst beim Aufgeben von Machtansprüchen von Israel und den gelebten Frieden auf allen Ebenen, würden sie geeignete Agenten des Friedensreiches sein können, - auch für die Römer. Ihr Schubladendenken musste überholt werden, denn sie waren von mit den Reich Gottes Werten nicht kompatibel.

Mittwoch, 7. März 2012

Jesus, sein Friedensreich und die Römer Part1

Unter den Juden war die Hoffnung da, dass Jesus Israel von den Römern befreien würde. Diese Hoffnung war nicht unbegründet, denn schließlich prophezeiten die Propheten die Hoffnung, dass Israel wieder ein Friedensreich in voller Blüte sein würde, die über die Zeiten Davids hinausgehen würden.
Im Frühjudentum war Israel alles andere als das. Die politischen Spannungen waren enorm hoch. Jederzeit drohte der Kessel zu explodieren. In dieser Zeit kam Jesus wirklich in die Welt mit der Ankündigung eines Friedensreiches, dass kein Ende haben wird.
Dass die Römer für ein solches Friedensreich ein Hindernis war, war jedem klar. Sie nutzten ihre Macht, um hohe Steuern einzutreiben. Ihre Unterdrückungsmechanismen waren allen bekannt. Jede große Entscheidung musste von ihnen abgesegnet werden. Für ein sehr religiöses Judentum war die Einmischung und Unterdrückung der unreinen Heiden ein Skandal. Gott konnte es doch nicht mehr lange ansehen. Er musste endlich ein Machtwort sprechen. Sollte nicht Israel die Welt regieren anstatt der heidnischen Römer unterdrückt werden?
Als Jesus dann wirklich kam, war die Anspannung groß. Die in ihm die messianische Erwartung legten, waren sehr gespannt. Wie würde er es anstellen? Ein heimlicher Komplott? Eine große Schar von Engeln und mit bester Kriegsausstattung? Feuer vom Himmel? Schließlich waren Gott doch keine Grenzen gesetzt. Aber irgendwie schien Jesus sich nicht wirklich darum zu kümmern. Anstatt dessen kritisierte er die religiöse und politische Elite im Land selbst. Ist das nicht kontraproduktiv? Müsste man nicht alle Mittel und Leute für das gemeinsame Ziel gewinnen? Gerne sagen Leute auch, dass Jesus keine politischen Ansprüche hatte und die Juden ihn nur falsch verstanden hatten. Jesus wollte nur ein geistliches Reich aufbauen, was mit der politischen Realität gar nichts zu tun hatte. Wirklich?

Donnerstag, 16. Februar 2012

A Domesticated Jesus (Ein gezähmter Jesus)

Nichts wäre schlimmer als das: Ein gezähmter Jesus. Ein Jesus, der ruhiggestellt und gebändigt ist. Einer, der nicht mehr stört, sondern bestens ins Gefüge passt. Ja, der sogar für eigene (Macht-) Positionen nutzbar gemacht werden kann. Also einen Jesus, der perfekt in unser Gemeinde- und Gesellschaftsleben passt.
Genau das war er nicht. Er hat gestört. Er hat den Machtanspruch und das „System“ der (auch religiösen) Elite gefährdet. Er war ein Revolutionär, der Nächsten- und Feindesliebe nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt hat. Der Gerechtigkeit, statt Systemtreue gefordert hat (Mk 7). Seine Kritik galt der religiösen Elite, sein Augenmerk den Ausgestoßenen, Verwundeten und Prostituierten. In seinen Reden kommen sogar die verhassten Ausländer und Heiden besser weg. So ein Jesus war nicht tragbar. Er gefährdete das System. Die Loyalität des Volkes stand auf dem Spiel. Er war einfach unzähmbar. Man konnte ihn nicht ruhigstellen. Musste er denn immer die Heuchelei der Frommen anprangern? Er musste weg, koste was es wolle. Seine Verkündigung vom Reich Gottes war zu radikal, zu gerecht. Untragbar. Aber wie wird man ihn los?
Gemeindeausschlussverfahren? Gerne, funktioniert aber nicht. Er hatte zu viele begeisterte Anhänger. Die würden dem nicht zustimmen.
Bändigen oder einen halbwegsguten Kompromiss schließen? Alle Versuche scheiterten.
Der Sünde überführen? Selbst die besten Fangfragen durchblickte er. Er wurde zunehmend gefährlicher für das System.
Da blieb noch eine letzte Lösung: Als Irrlehrer und Verräter entlarven. Aus dieser Schublade ist noch keiner gekommen. Das war stichhaltig, denn er widersetzte sich der religiösen Gemeindeautorität und verriet den Gemeindetempel unerhörter weise als Räuberhöhle. Und für die römische Gesellschaft war er mit seinem Königsanspruch ebenfalls unpassend und gefährlich. Das lässt sich leicht kombinieren.
So wurde man ihn los. Dachte man zumindest.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Vision & Mission Statement according to Isaiah 65: Spirituality in all of Life

In our local Team meeting, we were looking at God´s Vision for his world from Isaiah 65: 17-25. A Vision that is remarkably earthly & socially because it talks about weeping, because of pain; a too early death of people; about work that meets all the needs; about housing and food; about a God who blesses people in fulfilling their daily needs and where peace will reign in the whole of creation, even among the animals. It refuses to define spirituality as something separately from the world into a different spiritual realm, but rather sees it active in this holistic transformation.

In OMF, we like to write Vision & Mission Statements for our ministries. I asked myself, how such a statement would look like if it would be drawn from this passage. It might look like this:

Vision: New heaven and new earth as a place of happiness

Mission: We seek to participate in the transformation of the world into a place where there is joy instead of weeping;
Life fully lived without early death;
For a society, where safe work will provide for all needs instead of exploitation and greed;
Children will have a bright future instead of doomed into misfortune;
Experiencing God´s blessing instead of a cursed live;
God compassionately intervening for the needs & embracing life instead of leaving people to its own fate;
Experiencing reconciliation & shalom for the whole of creation instead of hostility.

Sonntag, 18. Dezember 2011

Minikanzel: Frieden auf Erden

Die Botschaft der Engel war, dass mit der Ankunft des Königs, Frieden auf Erden in allen Beziehungen möglich wird. Nichts brauchen wir mehr als Frieden mit Menschen und mit Gott. Frieden in Syrien, Ägypten, Libyen, Afghanistan, um nur einige Unruheherde zu nennen. Denn Unfriede zerstört uns, unsere Familien und Gottes Welt. Die Hoffnung für Friede ist da, aber Jesus weist einen neuen Weg dazu: Nicht durch Gewalt und Macht, sondern durch Liebe und Umkehr. Meine Hoffnung ist, dass Weihnachten uns zu Friedenstifter & Versöhnern macht, während wir dem folgen, der uns als Friedefürst vorgestellt wird.

Samstag, 10. Dezember 2011

Eindrücke vom Slum Part2

Wir gingen durch den Slum und drängten uns durch die engen Wege zwischen den einzelnen Holzhütten, die mit Stelzen aus dem Wasser stehen. Die Wege dazwischen sind mit weniger guten und gelöcherten Holzbrettern ausgelegt, die als Brücke über dem stinkenden Abwasser von Hütte zu Hütte dienen soll. An einer Hütte hörten wir ein lautes Weinen, konnten aber nicht sehen, wo es her kam. Auf dem Rückweg hörten wir das Weinen nicht mehr und fragten an der Hütte, ob eines der Kinder geweint hatte. Eine ältere Frau lächelte uns an zeigte mit der Hand in die Hütte auf ein Mädchen, dass ca. 13-15 Jahre alt ist und sich für eine Tätigkeit als Prostituierte fertig zu machen schien, und sagte: „Dieses schöne Mädchen hat geweint.“ Die Betonung auf schöne Mädchen und die Kleidung des Mädchens ließen uns ahnen, warum sie weinte. Viele Mädchen und Frauen, die zur Prostitution gezwungen werden, nehmen Drogen, um das Elend besser ertragen zu können. Aber wohin soll sie mit diesem Schmerz und der Hoffnungslosigkeit, wenn die Drogen ihre Wirkung verlieren? Wer wird sie beschützen? Wer wird für sie eintreten und ihre gottgegebene Würde wieder respektieren? Und ich frage mich, wie arm & hoffnungslos muss eine Familie sein, die ihre Kinder in die Prostitution zwingt, um überleben zu können?

Mittwoch, 23. November 2011

Eine unwiderstehliche Revolution – Was passieren kann, wenn man Jesus ernst nehmen will.


Es gibt immer wieder Bücher die mir schon länger im Hinterkopf sind und ich mal lesen will. Das Buch von Shane Claiborne war eines davon, dass ich jetzt zu Hand bekam. Shane ist in mehrfacher Hinsicht eine interessante Persönlichkeit. Er versucht dass zu verkörpern, wovon er überzeugt ist. Das Buch ist eine Mischung aus Erzählungen und predigtähnlichen Ausflügen in Bibelstellen, die seine Entwicklung und seinen Lebensstil. Armut, eine Ökonomie der Liebe und Gerechtigkeit nach dem Vorbild Jesu sind einige der Themen, die er darin streift. Alles wird mit der grundlegenden Frage unterlegt, was Jesus sich wohl dabei gedacht hat, als er das Reich Gottes anbrechen ließ und seiner Gemeinde als Mission mitgab. Shane kommt zu der Überzeugung, dass es nicht weniger als eine unwiderstehliche Revolution sei, - eine Revolution der Liebe und Gerechtigkeit. Es ist sehr unterhaltsam und mit Humor geschrieben. Es gibt das Buch auch in Deutsch.

Beispielhaft für das Buch gebe ich einen kurzen Teil mit meinen Worten daraus wider:
„Jemand unterhielt sich mit einem Freund und sagte: Ich würde Gott mal gerne fragen warum er so viel Leid und Armut in der Welt zulässt. Der Freund antwortete: Dann mach das doch. Der Gesprächspartner erwiderte: Ich befürchte aber, dass Gott mir die gleiche Frage stellen wird.“

Dienstag, 15. November 2011

Eindrücke vom Slum Part1

Heute war ein Tag mit tiefgreifenden Eindrücken und Begegnungen im Slum: Ein Kind, dass in den nächsten Wochen sterben wird; eine Mutter, die nicht weiß, wie sie ihr ihrem Kind die notwendige medizinische Betreuung gewähren kann und sich deswegen hochverschuldet; ein Junge, der von seiner Mutter furchtbar geschlagen und missbraucht wird und verzweifelt heult, weil ihn niemand beschützt und er die Welt nicht mehr versteht.
Ich setzte mich zu dem Jungen sah ihn an und musste mit ihm zusammen weinen.
So sieht es an den "Hecken und Zäunen" dieser Welt aus.

Montag, 10. Oktober 2011

Flutkatasrophe in Kambodscha


Kambodscha wird, wie auch die Nachbarländer, von einer riesigen Überschwemmung getroffen. Neben den fielen Regenfällen werden darüber hinaus riesige Wassermengen über dem Mekong nach Kambodscha gelenkt. Betroffen sind mehr als 250.000 Familien (ca. 1 Mill. Menschen), die ihre Jahresernte ihre Häuser und ihr ganzes Hab und Gut verlieren. Die Fluten rissen mittlerweile mehr als 167 Menschen in den Tod. Abgelegene Dörfer sind teilweise ganz abgeschnitten und ihre Felder liegen teilweise 4-5 Meter unter Wasser. Da die Flut jetzt schon seit über eine Woche anhält, sind diese Menschen sind jetzt vom Hungertod bedroht. Vielen geht es wohl wie der einen Frau, die keinen Schlafplatz mehr hat und sich in der Nacht kauernd auf einem Regal retten muss. Die ÜMG hilft bei dem Einsatz von internationalen Kirchen in Kambodscha mit.

Montag, 3. Oktober 2011

Großzügige Gerechtigkeit: Wie Gottes Gnade uns zu gerechten Menschen macht. Eine Rezension


Wer hätte das gedacht, - ein zu den theologisch konservativer Kreisen zählender Pastor schreibt ein Buch über soziale Gerechtigkeit. Das liegt bei Tim Keller vielleicht auch daran, dass er sich schon in jungen Jahren mit dem Thema ( u.a. in der Begegnung mit den „civil rights movement“) auseinandersetzten musste und merkte, dass die Bibel, im Gegensatz zu vielen Gemeinden, viel dazu zu sagen hat. Tim Keller will mit dem Buch beweisen, dass eine konservative Theologie nicht im Gegensatz zu soziale Gerechtigkeit stehen müsse. Sein Hauptargument ist, dass erlebte Gnade von Gott, Christen zum gerechten Handeln drängt und motiviert.
Er versucht das Thema von Armut und sozialer Gerechtigkeit anhand einiger der vielen Bibelverse, erst im Alten und dann auch im Neuen Testament abzuarbeiten und einen Bezug zum gegenwärtigen Gerechtigkeitsverständnis und deren Praxis herzustellen. Dabei versucht er die Texte für sich sprechen zu lassen und so eine gesamtbiblische Sicht von sozialer Gerechtigkeit als Gottes Herzensanliegen zu entwickeln. Nach der Behandlung von der Gerechtigkeit im Bezug zur Nächstenliebe, schlägt er dann für die Gemeindepraxis drei Level vor: Relief, Entwicklung und soziale Reformen. Damit erkennt Keller, dass sowohl in der Bibel als auch in gegenwärtigen Gesellschaftssystemen, Armut ihre Ursachen nicht nur im persönlichen Verhalten liegen, sondern auch ein strukturelles Problem ist.
Die Schwäche des Buches liegt darin, dass er es für seinen konversativen Kontext schreibt und darin gefangen zu sein scheint. Das kommt u.a. dann zum Vorschein, wenn innenpolitische Dispositionen der USA (Rechts und Links) auftreten (die Republikaner dürfen bei ihm nicht zu schlecht weg kommen. Weil nicht wenige seiner Leser politisch rechts sind?) oder als dogmatische Auseinandersetzung meiden will, in dem er bewusst nicht den Begriff Reich Gottes benutzt, obwohl Jesu Aussagen über Armut und Gerechtigkeit nur im Reich Gottes Kontext zu verstehen sind.
Alles in allem ist es ein leicht verständliches und überzeugendes Buch, das Gemeinden helfen wird, soziale Gerechtigkeit aus einer biblischen Perspektive zu entdecken und zu ersten Schritten ermutigen will.
Seine Buch schließt er mit einem Satz, den man normalerweise von Jim Wallis oder Rene Padilla vermutet: “A life poured out in doing justice for the poor is the inevitable sign of any real, true gospel faith.“ „Ein Leben hingegeben in dem Einsatz für Gerechtigkeit für die Armen, ist das unvermeidbare Zeichen für echten und wahren Evangeliumsglauben.“

Samstag, 30. Juli 2011

John Stott ist gestorben


Letzten Mittwoch verstarb der englische Theologe und Pastor der anglikanischen Kirche John Stott im Alter von 90 Jahren. Er prägte die Evangelikale Welt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wie kein zweiter. Sein Engagement ist neben seinen vielen Büchern vor allem darin bekannt, dass er das evangelikale Missionsverständnis innerhalb der Lausanner Bewegung formte. Laut Samuel Escobar prägte John Stott mit seiner Auslegung von Johannes 20:21 die entscheidende Entwicklung der evangelikalen Missionstheologie hin zu einer ganzheitlichen Sicht der Mission, die sich in den evangelikalen Dokumenten vermehrt widerspiegelt.

Exemplarisch für viele seiner Aussagen, soll das folgende Zitat dienen:
"We must be global Christians, with a global mission, because our God is a global God."

Sonntag, 10. Juli 2011

Das Khmertribunal geht in die nächste Runde

Nachdem vor zwei Jahren ein Roter Khmer „Duch“ als erster Angeklagte des Roten Khmer-regimes verurteilt wurde, stehen nun die vier ranghöchsten noch lebenden Roten Khmer vor Gericht. Neben dem Pol-Pot-Vize "Bruder Nr. 2" Nuon Chea und dem früheren Staatschef Khieu Samphan werden nun Ex-Außenminister Ieng Sary sowie die ehemalige Sozialministerin Ieng Thirith angeklagt. Ihnen wird Mitverantwortung für die fast 2 Millionen Tote angelastet, die während der Roten Khmer-Zeit durch Hunger, Folter und Morde 1975-79 zu Tode kamen.
Ob die Prozesse wirklich zur Aufarbeitung der grauenhaften Vergangenheit helfen, wird abzuwarten bleiben.

Freitag, 10. Juni 2011

Verlorene Töchter Kambodschas

Viele Menschen sind verloren, - geistlich & sozial. Sie sind ausgegrenzt und ihre Daseinsberechtigung als Menschen für ein lebenswertes Leben wird ihnen genommen. Das ist der Kontext in dem wir in Zukunft arbeiten werden.
Hier ist ein sehr bewegender Clip von der Partnerorganisation, mit der wir eng zusammenarbeiten, um den Verlorenen eine Hoffnung zu geben.

Wer mehr erfahren will und sich daran beteiligen will, hier ist die Möglichkeit dazu.

video

Mittwoch, 27. April 2011

The blind side (of mission) Teil 2

Mission aus einer elitären Abgrenzung zur Welt, in der wir nicht in Demut bereit sind von anderen zu lernen, führt, wie im ersten Artikel beschrieben, zu einer unbiblischen Einbahnstraße der Mission. Wir verbauen die Chance, uns von Gott in dem Prozess verändern zu lassen.
Wie kann die Verkündigung des Evangeliums dann überhaupt noch aussehen? Oder sind wir dann für immer zum Schweigen gezwungen?
David Bosch, der bekannte Missiologe aus Südafrika, bringt die demütige Geisteshaltung in der Mission, treffend auf dem Punkt:

“Such language boils down to an admission that we do not have all the answers and are prepared to live within the framework of penultimate knowledge, that we regard our involvement in dialogue and mission as an adventure, are prepared to take risks, and are anticipating surprises as the Spirit guides us in to fuller understanding. This is not opting for agnosticism, but for humility. It is however a bold humility – or a humble boldness. We know only in part, but we do know. And we believe, that the faith we profess is both true and just and should be proclaimed. We do this, however not as judges and lawyers; not as soldiers, but as envoys of peace; not as high pressure salespersons, but as ambassadors of the servant Lord.”

Bosch bringt beide Elemente von demütigem Lernen im Dialog und das Bewusstsein, dass die Botschaft des Evangeliums wahr und gerecht ist, zusammen. Beides muss zusammengehören, denn was wir wissen und verstehen ist nur Stückwerk. Mission unter diesem Licht kann dann praktiziert werden, wenn wir uns nicht als Richter, Soldaten oder eifrige Verkäufer verstehen, sondern als Träger des Friedens und Botschafter des dienenden Herrn.

Dienstag, 19. April 2011

China ist Weltspitze – auch in der Christenheit

China ist nicht nur auf wirtschaftlicher und zunehmend auf politischer Ebene eine Weltmacht. China hat gerade die USA in der Anzahl von evangelikal geprägten Christen überholt. Konservative Zahlen sprechen über eine Anzahl von 75 Millionen Evangelikalen Christen in China und die USA, haben knapp über 70 Millionen.
Reines Zahlenspiel wäre uninteressant, wenn es nicht um die enorme Veränderung der Weltchristenheit bedeuten würde und die damit verbundenen Konsequenzen. Der Westen bildet schon lange nicht die Mehrheit in der globalen Christenheit, sowohl in der Anzahl von Christen selbst, als auch in der Anzahl von Missionaren. Die logische Folgerung wäre, dass in der weltweiten Gemeinde mehr und mehr auch auf die Stimmen der nichtwestlichen Theologen gehört werden würde. Dies wollen die Reichen aus dem Westen mit ihren großen Budgets meist aber nicht zulassen. Wer mehr Geld hat, dessen Stimme zählte schon immer mehrfach. Das förderte zudem eine ungesunde Abhängigkeit der Christen aus dem Süden/Osten, die in Kooperationen mit westlichen Kirchen stehen. Auch aus diesem Grund gibt es eine große Anzahl von Christen und Missionsorganisationen, die nicht in direkte Verbindung mit dem Westen stehen und Mission ohne uns treiben. Das hat mehrere Folgen. Zwei will ich hier kurz nennen:

Einmal wird uns der Input und der Impuls der nichtwestlichen Kirchen in der weltweiten Diskussion um Mission fehlen. Ein Teil des Leibes Christi, das meint, ohne die Beine (könnte auch jedes andere sein) auskommen zu können, wird nicht weit kommen. Wir brauchen die Erfahrungen, Zeugnisse und die Theologie der nichtwestlichen Kirchen des Südens, weil sie auch für unser Überleben notwendig ist. Die südliche Gemeinde bildet das notwendige Korrektiv für eine ablebende Kirche des Westens.

Zweitens besteht die Gefahr, dass westliche Mission, weiterhin im Stil des Kolonialismus und dem Geist eines Imperialismus geführt wird. Das schadet nicht nur die weltweite Christenheit, sondern auch der Mission Jesu und dem Reich Gottes.

Leider hat Lausanne III genau dieses traurige Bild einer in Süd-Nord gespaltenen Kirche noch nicht wirklich auflösen können.

Mittwoch, 30. März 2011

Unseren Abgeordneten für eine gerechte Initiative gewonnen

Koordiniert mit der Micha-Initiative, haben wir (meine Frau und ich) vor einigen Wochen unseren Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Flosbach in einem Brief gebeten den entwicklungspolitischen Konsens für mehr Gerechtigkeit und die Einlösung des Versprechens 0,7% des Bruttoinlandprodukts für Entwicklungshilfe auszugeben, beizutreten. Dies geschah unmittelbar bevor der Haushaltsausschuß der Bundesregierung den ersten Bundeshaushaltsentwurf 2011 beschloss.
Auf unseren Brief hin, kam folgende Antwort von unserem Bundestagsabgeordneten, der den vorgeschlagenen Konsens damit beitrat:

Sehr geehrter Herr Wiebe,

vielen Dank für Ihre Schreiben zum 0,7% - Ziel, die mich auch per E-Mail und Briefpost erreichten.

Vor mehr als 40 Jahren haben sich die Industrienationen im Rahmen der Vereinten Nationen verpflichtet, 0,7 % ihres Bruttonationaleinkommens für Entwicklungspolitik bereitzustellen. Dieses Ziel wurde bisher von keiner Bundesregierung auch nur annähernd erreicht. Daher haben sich Entwicklungspolitiker aller Fraktionen zusammengeschlossen, um mit einem entwicklungspolitischen Konsens für das Erreichen dieses Zieles bis 2015 einzutreten. Ich werde diese Initiative unterstützen und habe den Initiatoren aus meiner Fraktion dies es auch schon zugesagt.

Das wird nicht einfach, denn das Verringern der Staatsschulden fordert von allen Politikfeldern budgetäre Zurückhaltung und Sparsamkeit. Ich bin aber der Meinung, dass Deutschland Nutzen aus einer erfolgreichen Entwicklungspolitik zieht: Wir brauchen stabile, demokratisch verfasste und prosperierende Partner in der Welt. Einer Migration aus wirtschaftlichen Motiven können wir den Nährboden entziehen. Auch stabile Nahrungsmittelpreise tragen dazu bei, den Menschen vor Ort zu helfen. Dies alles können wir nur durch eine bessere Entwicklungszusammenarbeit erreichen.
Als stellvertretendes Mitglied im Bundestagsausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist mir die Entwicklungspolitik ein besonderes Anliegen. Seit mehr als 30 Jahren engagiere ich mich auch privat für Entwicklungshilfe.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus-Peter Flosbach

Dienstag, 22. März 2011

The blind side (of mission)

Der Film erzählt eine Geschichte, wie eine reiche weiße Familie in Amerika eine schwarzen jungen in die Familie aufnimmt und zu ihrem eigenen Sohn macht. Nach lächerliche Bemerkungen von Freunden kommen aber auch gute Kommentare wie: „Ihr macht eine gute Arbeit. Ihr verändert diesen Jungen. Das ist gut.“ Die Frau aber erwidert: „Nein, nicht wir haben ihn verändert, er hat uns verändert!“

Diese Einstellung herrscht oft in Bezug zu Mission. Es ist das alte kolonialistische Denken, dass wir das Glück der anderen sind und sie froh sein können uns zu haben. Schließlich haben wir ja viel zu geben. Demütige Mission sieht aber anders aus. Oft will Gott die Menschen gebrauchen, um in erster Linie uns zu verändern. Gott will an uns arbeiten, und eine neue Sicht schenken, uns seine Welt neu präsentieren und uns verändern, bevor irgendetwas anderes passieren soll. Vincent Donovan, ein ehemaliger Missionar bei den Massai sagte, dass er erst in der Begegnung mit den Massai das Evangelium verstanden hat. Mission ist keine Einbahnstraße. Können Reiche von Armen lernen? Können Gebildete von Ungebildeten lernen? Können Christen von Nichtchristen lernen? Können Christen sogar vielleicht von Buddhisten lernen? Können Weiße von Schwarzen lernen? Wie tief steckt doch Hochmut im Geist des Kolonialismus und der Ethnozentrismus in uns drin, dass wir denken, dass wir doch besser, klüger, weiterentwickelter und den anderen voraus sind, nur weil wir mehr Geld haben. Sind wir bereit, uns die Welt aus der Perspektive eines Armen erklären zu lassen? Sind wir bereit unsere eigenen Rechtfertigungen für unser Gutes Tun mal beiseite zu lassen und auf die Leute hören, dessen Leben wir verändern wollen? Wie können wir eigentlich meinen, dass wir das Leben von Leuten verändern können, ohne sie jemals verstanden zu haben?

Dienstag, 8. März 2011

Gemeinde oder Reich Gottes, - oder kann es auch beides sein?

Es geht überall um Gemeinde. Kein Wunder wir leben unseren Glauben in und mit der Gemeinde. Gemeindeprogramme bestimmen unseren Glaubensalltag. Viele Fragen und Streitigkeiten drehen sich um das Thema der Gemeinde. Wenn man aber Jesus anschaut, dann fällt auf, der er so gut wie gar nicht von Gemeinde redet. Es nimmt es fast gar nicht in den Mund. Warum eigentlich nicht? Wovon redet er denn die ganze Zeit? Er redet vom Reich Gottes. Für Jesus ist das Reich Gottes die Größe, die zählt. Es ist das Reich Gottes, dass in der Welt anbricht und wovon zu reden ist. Ist somit das Thema Gemeinde damit hinfällig? Ich denke nicht. Es ist aber entscheidend, wie von Gemeinde gesprochen wird, oder besser aus welcher Perspektive Gemeinde und ihr Auftrag wahrgenommen wird. Wenn Gemeinde eine Versammlung von Christen bildet, die sich in ihrer Glaubensüberzeugung einig ist und diese für sich selbst in ihren Programmen lebt, mag es zwar erbauend sein, aber kommt noch nicht den Vorstellungen Jesu gleich, die er mit dem Reich Gottes anspricht. Jesus spricht vom Reich Gottes, weil gerade das Reich Gottes die Größe und der Rahmen ist, indem Gemeinde gelebt werden will. Das Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit ist der Auftrag und die Mission der Gemeinde. Jesus verstand die Gemeinde als Agent seines Reiches in der Welt, die sich ganzheitlich um Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bemüht.
Dass in der Missionsbetrachtung Gemeinde nicht immer Reich Gottes bedeutet, macht Howard Snyder in folgender Beobachtung klar:

"Kingdom people seek first the Kingdom of God and its justice;
Church people often put church work above concerns of justice, mercy and truth.
Church people think about how to get people into the church;
Kingdom people think about how to get the church into the world.
Church people worry that the world might change the church;
Kingdom people work to see the church change the world."

-- (Howard Snyder. Liberating the Church. 1983:11)

Eine Gemeindesicht aus der Reich-Gottes Perspektive wird zu einer missionalen Gemeinde, in der die ganzheitliche Mission die Treibkraft wird.

Montag, 28. Februar 2011

Levi Samuel Wiebe


Am Samstag den 26. Februar um 03:45 Uhr war es soweit. Unser Sohn Levi Samuel wurde einige Tage vor dem Geburtstermin in Wipperfürth geboren. Er ist gesund und munter. 53cm und 3710g sind ordentliche Maße für den Start in der Welt.

We are happy to announce the birth of our first son Levi Samuel. It was Saturday, the 26th February at 3:45am, when he was born. He is a healthy boy with 53cm, 3710g.

Mittwoch, 9. Februar 2011

Was ist da los? - Gefechte an der Grenze zwischen Kambodscha und Thailand


Seit einigen Tagen ist Kambodscha wieder in den Nachrichten. Grund sind die Grenzstreitigkeiten um den hinduistischen Tempel Preah Vihear, der von den Khmer im 10-12 Jahrhundert erbaut wurde. Da der Tempel an der Grenze zu Thailand liegt, beanspruchen beide Länder dieses Gebiet.
Seit dem letzten Montag sind nach tagelangen Gefechten, mindestens 7 Menschen zu Opfer gefallen und mehrere Dörfer in der umliegenden Gegend wurden geräumt
Nach der Unabhängigkeit von Frankreich besetzten thailändische Truppen den Tempel. Daraufhin rief die kambodschanische Regierung den Internationalen Gerichtshof in Den Haag an, der 1962 entschied, das er zu Kambodscha gehöre. Attraktiver wurde der Tempel seit dem er 2008 von der UNESCO als kambodschanisches Weltkulturerbe anerkannt wurde. Seitdem stehen sich Truppen beider Länder gegenüber, wobei es trotz Friedensvereinbarungen immer wieder zu erneuten Schusswechsel und Opfer kommt.

Der Streit um den Tempel offenbart das Verhältnis zweier Nachbarländer, die durch das letzte Jahrtausend immer wieder in kriegerischer Auseinandersetzung standen. Während der Angkorkönige (ca. 900-1400) herrschten die Khmer über große Teile des heutigen Thailands und erbauten viele Tempelanlagen. Anschließend aber wechselte das Machtverhältnis zugunsten Thailands und Kambodscha musste viel Land abtreten.

Für die Khmer ist es wichtig, dass sie in diesem Streit nicht nachgeben, denn sie sehen sich in der geschichtlichen Opferrolle der letzten 500 Jahre. Das Nationalbewusstsein macht sich an die Errungenschaften der Angkorzeit fest (Architektur, Religion, Macht), die sie mit allem Einsatz zu verteidigen suchen. Eine einvernehmliche Lösung wird nur schwer erreichbar sein, denn auch die beiden aktuellen Premierminister stehen sich persönlich auf Kriegsfuß.

Meine Frage ist, welche Rolle können christliche Gemeinden in dem Prozess einnehmen. Können z.B. die Evangelischen Allianzen beider Länder Lösungsvorschläge zur Beilegung des Konflikts erarbeiten, um als Friedensstifter zu wirken?

Montag, 24. Januar 2011

Bildungsprojekte für Analphabeten - Radiointerview Teil 4

In der Reihe des Radiointerviews beim ERF spreche ich im vierten Teil über unsere Bildungsprojekte für Analphabeten der armen Bevölkerungsschicht.

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Freitag, 14. Januar 2011

Ich bin ein Missionar

Hier ist ein schönes Poem "I am an Evangelist" von John Baxter-Brown, das ich ins deutsche übertragen habe. Es gute Arbeitsbeschreibung für Mission, wenn auch nicht allumfassend.

Ich bin ein Missionar,
deswegen ist Gerechtigkeit meine Leidenschaft

Ich bin ein Missionar,
deswegen bin ergreife ich Partei für die Armen

Ich bin ein Missionar,
deswegen muss ich mich gegen Ungerechtigkeit auflehnen

Ich bin ein Missionar,
deswegen muss ich in der Solidarität mit dem Verwundbaren stehen

Ich bin ein Missionar,
deswegen liebe ich die Ausgeschlossenen

Ich bin ein Missionar,
So will ich alle mit einbeziehen

Ich bin ein Missionar,
deswegen bin ich zur Großzügigkeit berufen

Ich bin ein Missionar,
deswegen tanze ich zur Musik des Himmels

Ich bin ein Missionar,
so singe ich Lieder vom Reich Gottes

Ich bin ein Missionar,
deswegen will ich einfach eine Einladung sein

Ich bin ein Missionar,
Manchmal verwende ich Worte.

Montag, 3. Januar 2011

Radiointerview Teil 3: Schulprojekte in Kambodscha

Hier im dritten Teil geht es um unsere Erfahrungen mit den Schulprojekten, die wir als ÜMG/OMF in Snoul, Kambodscha durchführen.
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Montag, 13. Dezember 2010

Herausforderungen als Familie in Kambodscha - Radiointerview Teil 2

Hier folgt der zweite Teil (ca. 6 Minuten) des Radiointerviews. Die nächsten Teile folgen bald.

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Donnerstag, 9. Dezember 2010

Wasserfest: Kambodscha ist erschüttert

Mein ÜMG-Kollege und Freund Markus Hirschi berichtet aus erster Hand von dem tragischen Unfall in Phnom Penh und deren Auswirkungen. Er schreibt:
Mit 364 Toten und mind. doppelt so vielen Verletzten nahm das jährliche Wasserfest (wenn der Fluss Sap seine Flussrichtung ändert und wieder Richtung Meer abfließt) ein tragisches Ende. Auf einer Brücke kam es zu einer Massenhysterie unklarer Ursache. Einige Gemeindeglieder waren an vorderster Front und boten erste Hilfe, andere wurden kurz vor der Tragödie daran gehindert, auf die Brücke zu gehen und ein Mädchen erlebte Gottes übernatürliche Hilfe inmitten des Gefechts und konnte sich mit einem Sprung von der Brücke retten. Kambodscha ist in Trauer und von der Angst vor erzürnten Geistern beherrscht. Viele Verletzte und deren Angehörige in den Krankenhäusern sind dankbar für ein offenes Ohr.

Montag, 6. Dezember 2010

Eintauchen in eine fremde Welt - ERF Radio-Interview Teil 1

Ich hatte die Möglichkeit ein Radiointerview über unsere Arbeit in Kambodscha beim ERF zu machen. Hier werden in den nächsten Tagen und Wochen einzelne Segmmente des Interviews mit Bildern veröffentlicht. Viel Spass beim Reinhören und Sehen.

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Freitag, 3. Dezember 2010

God needs to be rescued from religion – eine Mini-Theologie der Macht

Muss Gott von einem religiösen System befreit werden? Das ist die Forderung von Sinead O´Connor im vorigen Blogeintrag. Wenn ja, von welchen System ist denn die Rede? Der christliche Glaube ist seit Konstantin eine "unheilige Ehe" mit Macht eingegangen. Diese religiöse Macht entwickelte Systeme von christlicher Religion, die es erlaubten ihr Schicksal mit Macht selbst zu bestimmen und es dann religiös und theologisch legimitierten. Opfer dieser Macht waren Menschen, die sich nicht dem System anpassten und sich unloyal verhielten. Dies waren in der Geschichte u.a. Frauen, Arme, Schwarze, Nichteuropäer oder Nichtweiße, Juden, Andersdenkende und Jesus. Jesus war ein Opfer eines religiös und theologisch begründeten Vorhabens, das auf die "bibeltreue" der Pharisäer beruhte. Das paradoxe daran ist, dass religiöse Systeme, die auf Macht beruhen, ihren Gott, der sich freiwillig entmachtete, als Opfer wählten.
Man könnte meinen dass solche Phänomene aus alter Kirchengeschichte sind und vor allem das dunkle Mittelalter betreffen. Ich stieß kürzlich auf ein Artikel, der die Entstehungsgeschichte einer großen Denomination untersuchte und folgendes feststellte: "It is a strange irony, that a denomination which was born because of its support of slavery nevertheless seems to have thought of itself as `God's last and only hope' for world evangelization."
Muss man Jesus von solchen Systemen befreien oder hat er sich selbst schon längst davon verabschiedet?

Dienstag, 16. November 2010

"Out of the depth" Jesus und die Religion

Die irische Sängerin Sinead O´Connor singt über die Beziehung von Religion und Jesus. Sie beschreibt die Beziehung nicht nur spannungsreich, sondern auch gegensätzlich. Folgende Frage beschäftigt sie in diesem Lied:"Haben wir aus Jesus eine Religion gemacht, in der Jesus gefangen genommen wurde?
Hört es euch mal an. Was denkt ihr dazu? Der Liedtext steht drunter.




Out of the depths I cry to U oh lord
Don’t let my cries for mercy be ignored
If U keep account of sins oh who would stand?
But U have forgiveness in your hands

And I've heard religion say you're to be feared
But I don’t buy into everything I hear
And it seems to me you're hostage to those rules
That were made by religion and not by U

And I’m wondering will u ever get yourself free
Is it bad to think U might like help from me?
Is there anything my little heart can do
To help religion share us with U?

For oh you're like a ghost in your own home
Nobody hears U crying all alone
Oh U are the one true really voiceless one
They have their backs turned to you for worship of
Gold and stone

And to see U prisoner oh makes me weep
Nobody hears U screaming in the streets
And it’s sad but true how the old saying goes
If God lived on earth people would break his windows

I long for U as watchmen long for the end of night

Dienstag, 9. November 2010

Interview im Radio


Vor einigen Wochen wurde ich zum ERF eingeladen, um ein Interview fürs Radio zu geben. Heute Abend ist es soweit. Um 20 Uhr wird es auf ERF Radio ausgestrahlt.
Empfangen wird es auf Mittelwelle Frequenz: 1539 kHz, oder mit dem Telefon unter 0931/66399-2843 oder ansonsten auch online auf ERF-Livestream

Dienstag, 26. Oktober 2010

Lausanne III und die Ergebnisse

Der dritte Lausanner Kongress ist gestern zu Ende gegangen. Es sind viele Impulse in Einsichten aus allen Ecken dieser Welt gekommen, die uns helfen die Gute Nachricht in Wort und Tat für das 21. Jahrhundert in allen Facetten zu Leben. Dennoch gab es nach Aussagen von Teilnehmern auch einen bitteren Beigeschmack, der sich darin zeigte, dass der reiche Norden mit Amerika die Agenda vorgab, ganz nach dem Motto, "wessen Brot du ißt, dessen Lied du singst". Der Kongress hat ein Abschlussdokument erstellt, das sogenannte CapeTown Commitment, dass in langen Sitzungen und Überlegungen zusammengestellt wurde und ein Ruf für ein erneuertes evangelikales Missionsverständnis darstellt. In vieler Hinsicht ist es nicht neu, aber berücksichtigt die neuen Kontexte und die veränderte Welt, in der wir uns befinden. Lindsay Brown stellte in der Abschlussveranstaltung folgende Entwicklung der Lausanner Bewegung fest: "The evangelical church has rightly put an emphasis on bringing the gospel of Jesus Christ to every people group, but we have perhaps been a little weaker in our attempts to apply biblical principles to every area of society, and to public policy: to the media, to business, to government. We need to engage deeply with all human endeavour - and with the ideas which shape it.’Das "Commitment" ist in zwei Kapitel eingeteilt. Das erste Kapitel stellt reflektiert die missionstheologischen Standpunkte und soll dann zum zweiten Kapitel hinführen, dass einen Aufruf zur Aktion beinhaltet und die aktuelle Vorträge auf dem Kongress mitverarbeitet. Bis jetzt ist nur das erste Kapitel fertiggestellt. Das zweite Kapitel wird in diesen Wochen erarbeitet und dann im November oder Dezember verabschiedet.
Das Abschlussdokument gibt die Chance durch Dialog und Liebe Einheit nach Jesu Vorstellung zu demonstrieren, ohne die Vielfalt der einzelnen Traditionen zu eliminieren und zu enge Grenzen zu setzen. Möge Gott diese Impulse zu einer fruchtbaren (Zusammen-)Arbeit wachsen lassen.

Hier nochmal einige kleine Eindrücke:

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Weltevangelisationskongress redet über Armut und Klimaveränderung



Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Verantwortung der Gemeinde Gottes Angesichts der wachsenden Armut in der Welt und die Klimaerwärmung und deren Auswirkungen, vor allem in Bezug zu den Armen. Ruth Padilla DeBorst führte die Delegierten in der Bibelarbeit aus Epheser 2. Sie brachte wertvolle Einsichten zutage und zeigte auf, wie Menschen und Gesellschaften von der veränderten Kraft Gottes berührt werden können. Unter anderem sagte sie: “Jesus made peace by doing justice, by restoring to rightful place and right relations those who were being deprived of them by unjust systems, human greed and abuse of power,” und weiter “God lives wherever men and women together allow the Community-of-love to imprint God's image on them, to speak reconciliation into being in their midst, to tear down all humanly constructed walls and spiritually bolstered exclusions so that unity becomes visible, to remind them that once we were all together in death and that our lives, our value and our purpose depend entirely on God's unmerited grace. God yearns to build the world church today into his earthly dwelling place.”

Ein zweiter Themenblock war der christliche Verantwortung mit der Schöpfung Gottes. Christen haben sich immer wieder einen Ausweg aus der Verantwortung der Schöpfung Gottes gesucht, aber Ken Gnankan stellte fest: "We have mandate from God for us to be keepers, tenders, stewards of God’s creation. So, I think there is no opting out of it.”
Dazu brachte John Houghton es auf den Punkt: “[Environmental change] is a Christian issue because it’s affecting the world, the ecosystem, God’s creation—and because it affects the poor more than anything,”.
Des weiteren würde das Thema Versöhnung mit den Armen diskutiert, dass sich auch nach Ajith Fernando auch in veränderten Strukturen und Arbeitsphilosophien zeigen müsse. Wenn die Armen den gleichen Wert vor Gott haben, dann kann es unsere Strukturen nicht unberücksichtigt lassen.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Weltweite Missionsbewegung - Lausanne III

Die Lausanner Bewegung ist eine evangelikale Missionsbewegung, die alle großen und wichtigen Kirchen und Missionsorganisationen miteinander verbindet. Der erste große Kongress startete 1974 in Lausanne, der Schweiz, das vor allem von Billy Graham initiiert und von John Stott theologisch beeinflusst wurde. Das Motto der Lausanner Bewegung ist gekennzeichnet durch den Satz "The whole gospel to the whole world by the whole church", was übersetzt heißen kann "Das ganze Evangelium zur ganzen Welt durch die ganze Kirche". In Lausanne wurde eine Bekenntnisschrift verfasst, die seit dem eine wesentliche Grundlage evangelikales Missionsverständnis bietet. Dazu Chris Wright:


Die Lausanner Bewegung zeichnete sich durch viele weitere regionale Kongresse zu verschiedenen Themenbereichen der Mission aus. Die zweite globale Konferenz fand in Manila, Philippinen 1989 statt. Jetzt vom 16-25 Oktober 2010 findet Lausanne III in Capetown (Kapstadt) Südafrika statt, um den neuen Herausforderungen in der veränderten Welt des 21. Jahrhundert missiologisch zu begegnen und gemeinsam mit der weltweiten Gemeinde Gottes zu reflektieren. Es sind über 4000 geladene Gäste aus ca. 200 Ländern eingetroffen, um die Gesamtheit der Kirche Gottes zu repräsentieren. Leider wurde die chinesische Delegation kein Ausreisegenehmigung von den chinesischen Behörden erteilt.
OMF ist mit dem Direktor Patrick Fung, der die letzte Plenumveranstaltung halten wird und weiteren 7 Teilnehmern daran beteiligt. Was die Konferenz bringen soll fasst Chris Wright hiermit zusammen:


Ich erhoffe mir, dass es wichtige Impulse von Lausanne geben wird für die neuen Herausforderungen der Mission für die nächsten 15-20 Jahre.

Verfolgen kann man die Konferenz auf der folgenden Webpage: offizielle Lausanner Homepage